Also nein, diese Ungarn,

sind Lesekostproben zum begreifenden Kennenlernen der ungari-
schen Mentalität, die immer dann von der deutschen divergiert,
wenn es der Betroffene für nicht denkbar hält.

Die beiden hervorragenden ungarischen Glossisten Siegfried
Brachfeld und Sándor Novobáczky
wurden zu Beginn der siebzi-
ger Jahre in der deutschsprachigen Wochenzeitschrift
"Budapester Rundschau" publiziert. Ihr selbstkritisches - und mit
einer bewundernswerten Selbstironie konkurrenzloses Spiegelbild
ungarischer Denk- und Handelsweise - ist nicht nur nach Meinung
meiner ungarischen Ehehälfte unübertroffen.

Ich kann mich meiner überwiegend emotional denkenden Partnerin
nur anschließen. Etwas anderes bleibt mir nach 33 Jahren deutsch-
ungarischer Ehe auch nicht übrig. Selbst Jahre nach der "Wende"
haben die Glossen der beiden nichts von ihrer Treffsicherheit ver-
loren.

Ich danke an dieser Stelle den Akteuren des Aufbau-Verlag Berlin
und Weimar, die im Jahre 1974 die spritzigen humorvollen Ge-
schichten in einem Taschenbuch für 1,85 M zusammengefaßt hat-
ten. Ihnen verdanken heutige Ungarnreisende Erkenntnisse, die
trotz zunehmender Informationsflut leider so nicht mehr vorzu-
finden sind. Bedauerlicherweise ist die Papierqualität der ehema-
ligen mitteldeutschen Druckerei aus Dresden so mitleiderregend,
daß sich die Broschüre nach 25 Jahren im fortgeschrittenen Stadi-
um der Selbstauflösung befindet. Ich nehme für mich in Anspruch,
auf diese Weise der Veröffentlichung den Ungarn zu danken, die
meiner Frau und meiner Familie (nach drei Jahren Aufenthalt in Un-
garn wider Willen) die Ausreise in die Bundesrepublik Deutschland
gestattet haben - ohne Rücksicht auf die politische Meinung der
"sozialistischen Möchtegerndiktatoren der Ostzone" zu nehmen.

Der Aufbau-Verlag schreibt in seinem Vorwort, daß "die beiden
Kämpen auf dem Feld des Humors Woche für Woche im Wechsel
kleine spritzige Geschichten verzapften, die so manchem "Rund-
schau"- Leser zur Erbauung und Besinnung dienten. Die zahllosen
Zuschriften belegten es. Im heiteren Plauderton lassen sich die
Autoren über Lebensform, Denkweise, Mentalität, über magyarische
Tradition und Charaktere aus. Da wird Menschlich-allzu-Menschliches
elegant aufgespießt, da werden Land und Leute von gestern und heu-
te kritisch unter die Lupe und spezifisch ungarische Eigenheiten auf
die Schippe genommen sowie (Un)Sitten und (Miß)Bräuche bloßgelegt.

Sie machen auch nicht halt vor der karikierenden Selbstdarstellung
der "feurigen" Ungarn, vor seiner grenzenlosen Neugier, seiner Streit-
lust oder Trinkgeldsucht ....
Es wirkt geradezu herzerfrischend, wie da zwei vom Leder ziehen
und unbekümmert draufloshauen, wo es doch der eigene Buckel ist.
Keinesfalls fallen die Hiebe aber so derb aus, daß man hinter aller
polemischen Haltung nicht ein schelmisches Schmunzeln erkennen
könnte, eine gehörige Portion Selbstbewußtsein und Stolz, die sich
zum Witz und zum Scharm des Ungarn gesellen, dieser so liebens-
werten Seite seines Wesens.

Nicht zuletzt möchte ich meinen deutschen Landsleuten Hilfestel-
lung geben, die Ungarn, Ihr Wesen und Ihr Land so zu verstehen,
wie es einem selbstbewußten Staat und seinen Bürgern gebührt.
Die Hilfestellung der Ungarn zur deutschen Wiedervereinigung soll-
ten wir nicht vergesssen.

Vergessen Sie bitte während Ihres Urlaubs im Lande der Magyaren
auch nicht, daß heute noch Millionen von Ungarn außerhalb der
Grenzen ihres Landes in oft unerfreulichen Situationen und
minimaler Hoffnung auf Verbesserung ihrer Lebensverhält-
nisse leben müssen.