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Auf diese Frage werden viele Ungarn mit ja antworten, denn allein
schon
die Tatsache, da sie den Sinn erfat haben, scheint ja Beweis
genug.
Doch sollen sie dann Rede und Antwort stehen, geht`s meist nicht
mehr
weiter, und bald merkt der deutsch- sprechende Partner, wie schwer
es
einem Ungarn fllt, wirklich deutsch zu sprechen.
Abgesehen
davon, da die Artikel der, die das einem Ungarn so fremd
sind wie die drei Geschlechter an sich weil es im Ungarischen
nmlich
nur ein einziges Geschlecht fr alle Substantive gibt -, ist alles,
was er
von der deutschen Sprache gelernt hat, pltzlich im Eimer, falls
jemand
so deutsch mit ihm spricht, wie ich es in einem der groen Hotels
am
Balaton hrte, wo sich folgender Dialog zwischen einer Dame mit
Berli-
ner Akzent und einem ungarischen Kellner entspann.
Dame (zeigt mit dem Finger auf jene Stelle in der auch auf deutsch
ab-
gefaten Speisekarte, wo auch borjlb" mit Kalbsstelze wiedergege-
ben war): Bitte bringen Sie mir das hier!"
Ober (verneigt sich hflich): Diese Kalbsstelze ist nicht mehr."
Dame
(zu ihm aufblickend) : Ist alle?"
Ober (in seinem Schul- deutsch nach der Bedeutung des Wrtchens
alle" kramend): Nicht alle."
Dame: "Nicht alle? Dann bringen Sie mir eine Portion".
Ober (merkt, da er falsch verstanden wurde und wiederholt): Dieser
Kalbsstelze ist nicht mehr."
Dame:
Also doch alle!"
Ober: Alle Kalbsstelze ist nicht mehr".
Dame: Alle sind alle?" Ober: Nein"!
Dame: Dann gibst also noch welche!"
Ober: Nein."
Dame: Also doch alle........."
Htte ich mich nicht vermittelnd eingeschaltet, so htten sich
beide
um alles in der Welt nicht ber die Bedeutung von alles ist alle"
ver-
stndigen knnen.
Hier zeigt es sich eben, in welchem Vorteil man ist, wenn man
deutsch
nicht in der Schule, sondern in der Praxis des Alltags gelernt
hat.
Da
wurde zum Beispiel, wie eine Anekdote berichtet, einem deutschen
Jagdfreund, der nach Ungarn gekommen war, um hier auf die Pirsch
zu
gehen, ein ungarischer Revierfrster zugeteilt mit der Bemerkung:
Der Mann spricht perfekt deutsch, er hat noch in der k. u. k.
Armee ge-
dient (in der kaiserlich- kniglichen Armee Ungarns war Deutsch
Amts-
und Befehlssprache).
Der
Gast traf sich zum ersten Mal mit seinem ungarischen Begleiter
am Abend vor der Jagd im Forsthaus und unterhielt sich ganz ausge-
zeichnet mit ihm, denn zu all seinen Jagderlebnissen steuerte
der un-
garische Frster ein lautes
Jawohl"
bei. Am anderen Tag auf der Pirsch sprach der Revierfrster als
er ei-
nen Rehbock im Gehege entdeckte, den ersten deutschen Satz: Ach-
tung! Stillgestanden!"
Der
Jger bleibt erstaunt stehen. Sein Begleiter kommandierte weiter:
Augen rechts! Legt an! Feuer!"
Der Rehbock war getroffen.
Vorwrts! Marsch, marsch!"
Und als der Jger stolz und stramm vor dem Wild stand, da er
nach
den Anweisungen des ungarischen Revierfrsters erlegt hatte, sagte
dieser mit viel weniger Schrfe, ja fast Rhrung in der Stimme:
Rhrt euch!"
Siegfried
Brachfeld
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