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Also
nein,
diese Ungarn!
Siegfried
Brachfeld / Sándor Novobáczky
Glossen zweier ungarischer Journalisten aus
"Budapester Rundschau" seit 1971
Etwas von zu Haus
Unter
der Ägide des Weltverbandes der Ungarn werden im August in der Vidàm
szinpad" (Lustige Bühne), dem politischen Kabaretttheater, zehn Extravorstellungen
für zu Besuch weilende Auslandsungarn gegeben, und zwar unter dem
Titel: Egy kis hasai" (Etwas von zu Haus).
Darunter
verstehen die Ungarn ansonsten ausschließlich etwas Eßbares:
Selbstgeräucherte Wurst, oder Schinken oder ein Stück Speck
vom letzten Schlacht- fest, im eigenen Garten angebaute Paprika, Tomaten
oder Pfirsiche, oder ein paar frische Eier oder ein ganzes Brathähnchen,
natürlich eins aus dem Hühnerstall daheim.
Etwas von zu Haus" ist eben nicht irgend ein dahergelaufenes Huhn, auf
dem Markt erstanden, und ebensowenig die allerfeinste Salami aus dem Delikateßgeschäft
oder die aufgeschwemmte Leber einer fremden Gans aus de Markthalle - es
ist das, was die Mutter gekocht, gebacken, gebraten hat, mit dem ganz
speziellen Geruch und Geschmack von daheim. Und all das hat der Ungarn
in der Nase, auf der Zunge, solange er lebt, das nimmt er mit sich, gleich,
ob er von einem kleinen Dorf in die nächste Stadt oder in die Hauptstadt
zieht oder sich gar irgendwo in der Welt niederläßt. Der vielgerühmte
Duft der großen weiten Welt bleibt für einen Ungarn weit zurück
hinter dem Duft gefüllten Krauts nach Szèkelyer Art.
Man
behauptet, das alles treffe heute nur noch auf die ältere Generation
zu, die ihre Eindrücke noch von zu Hause mitgenommen hat. Aber wir
hatten dieser Tage einen jungen, in Kanada geborenen Ungarn zu Gast. Nie
zuvor sah ich ein Paprikahuhn unter so vielen begeisterten Interjektionen
verschwinden. Davon erzählt meine Mutter immer", sagt er, sich den
Mund wischend, nur machen kann sie es nicht." Es sei mir gestattet, angesichts
des statistisch nachgewiesenen ständig steigenden Lebensmittelverbrauchs
der Ungarn, Ludwig Feuerbachs bekanntes Wort abzuändern, der Mensch
ist nicht was er isst, sondern wie er ist". Hier kommt es eben auf das
Wie an, wobei auch eine Rolle spielt, wie die Speisen gereicht
und gegessen werden.
Jeder
ungarische Hausherr wird, wenn er seinen Gast zum Essen auffordert, sagen:
Tessék, csak otthoniasan!" (Bitte halten sie es ganz wie zu Haus).
Mit anderen Worten: Lockern sie sich! Und darum wir zunächst einmal
ein Schnaps getrunken. Natürlich muß es ein echter "Barack"
sein, ein Aprikosenschnaps, sein. Selbstgemacht, versteht sich. Auch wenn
er nicht selbstgemacht ist. Das spielt keine Rolle. Nur lockern sie sich!
Und dann kommt die Vorspeise. Eine Hühnersuppe, mit selbstgemachten
Nudeln natürlich. Auch wenn es nicht stimmt, so genau muß man
es nicht nehmen. Noch ein Schnaps gefällig? Oh, der ist sehr gesund!
Und macht Appetit, vor dem Essen, zum Essen und danach noch.
Wir
nehmen immer schon morgens aus nüchternen Magen einen zur Brust....Das
fördert die Verdauung und ......und ein langes Leben. Auch wenn es
nicht stimmt. Nehmen wir noch einen Kleinen? Man darf nicht alles so genau
nehmen....so todernst. "Wir leben nicht , um zu essen, sondern wir essen,
um zu leben", sagte Sokrates oder Goethe...oder ich weiß nicht mehr
genau, von wem das stammt, aber eigentlich könnte es ein Ungar gesagt
haben.
Siegfried
Brachfeld
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